BILDERRAHMEN - Marin Sorescu

Die Wände meines Hauses sind
Voll von Bilderrahmen
In denen meine Freunde
Nichts sehen.
Ich glaube, sie dort zu ihrer Verzweiflung
Aufgehängt zu haben.
Es war noch über dem Bett
Ein leerer Platz,
Und ich erwachte mit dem seltsamen
Gefühl,
Dass jemand mich anschaut.
Wahrhaftig, auf dem besagten Platz
Flackert ein Licht in
Kugelförmiger Gestalt.
Ringsum ist keine Glühbirne,
Nicht mal ein offenes Auge,
Nicht mal eine Phosphorgrube.
Und trotz alledem
Über dem Bett
Atmet jemand, atmet.
Wer weiß, welcher Stern
Irgendwo in der Ferne brennt,
Und im merkwürdigen Reflexionssystem
Der Dinge
Prallt seine Seele jetzt
Auf meine Wand.
Morgen werde ich auch auf
Diese Stelle einen Rahmen
Hängen müssen.

Added by: Adina Speranta

Translator: Christian W. Schenk
Language: German


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