An meine Heimat - Carmen Sylva

Du Rebenland, du grüner Wald,
Du Rhein mit deinem Schimmer,
Dein Glanz ist fern, dein Sang verhallt,
Ich bin entfloh ‘n für immer!

Oft, oft schließ' ich die Augen zu,
Dann hör' ich' singen, rauschen,
Seh' Schiffe ziehn in sonn'ger Ruh,
Den Wind die Segel bauschen.

Dass ich die schönste Heimat hab'
In deutschen Gau'n besessen,
Das macht, dass ich sie bis zum Grab
Nun nimmer kann vergessen.

Ein kleiner Freund, der hat mich nicht
Im fernen Land verlassen,
Er zeigte mir sein Angesicht,
Ließ seine Hand mich fassen.

„Das Märchen" ist mein Freund benannt,
Hier hat's nur schwarze Haare,
Trägt orientalisch' Prachtgewand
Braun ist das Aug', das klare.

Und vom Karpathenurwald fliegt
Zur Donau es, zum Meere,
Auf seinen Brauen Schwermut liegt,
Im Auge glänzt die Zähre.

Doch hat es allen Duft bewahrt,
Die Reinheit tief im Herzen,
Es singet lind, berühret zart
Die großen Erdenschmerzen.

Die Wunderblumen, die es heut,
Musst‘ ich dir eilend pflücken;
Dir, Heimat, hab‘ ich sie gestreut, —
Könnt' ich ans Herz dich drücken!

Added by: Ioana D

Translator: Christian W. Schenk
Language: German


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