WALDRAND - Mircea Ciobanu

Der Regen von gestern Abend
heißt Saft in Waldessprache - und der Saft
zwingt den Wald zur Arbeit, pfropft ihn voll.
Das alte Holz, das junge Holz, der Schössling
reißen starke Kiefer auf -
was kann ich, der Fremde, über diese
Hungerarbeit sagen? ich, über die Gier
der Fasern und der grünen Höhlungen? ich, der Fremde,
kaum gewöhnt, am armseligen Dorfrand mit
einem Stein unter der Zunge zu sprechen?
Also schweig ich: das heißt ich gehe nicht hinein
weder in Büsche, noch unter Bäume. Ich erinnere
auch, was in ein Buch mit blutbeschmierter Seite der
über mir Stehende geschrieben hat: der Wald frisst an einem
Tag Viel mehr als das Schwert in einem ganzen
Kriegsjahr.

Added by: Adina Speranta

Translator: Christian W. Schenk
Language: German


see more poems written by: Mircea Ciobanu



Share: