An den, der schweigt - Mircea Ciobanu

Der Rhetor kommt zu dir,
reißt das Gedicht dir aus den Händen,
zählt es Zeile für Zeile.
Herr Rhetor, wo kommen Sie her?

Aus einem Keller voller Gold. Dort,
sagten mir, ich solle schweigen, und ich schwieg;
heute sagten sie mir, ich solle reden
gib mir deine Worte.

Der Rhetor, der Rhetor, der Rhetor
reißt das Gedicht dir aus den Händen,
Liest es vor der Menge vor,
mit ganzer Kraft seiner Stimme.

Du, der du schweigst, hast gesehen
Ihren mundbewölkten Himmel,
den rotvibrierenden Schleier
im Spalt der schwarzen Kehle.

Sei also zufrieden
mit seinen Werken.
Er liest dein Gedicht
bis tief in seinem Inneren

seine Zunge stolpert
an eisernen Reißzähnen,
seine Zunge, nicht deine, seine gepellte Zunge
er kämpft zwischen den Wortedornen.

Er liest dein Gedicht,
die Belohnung, am Ende, ist sein;
deine rechte Hand, die es geschrieben hat, sinkt
in der Leere der Handschelle.

Added by: Ioana D

Translator: CHRISTIAN W. SCHENK
Language: German


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