Die traubeneiche - Lucian Blaga

In klaren freien Fernen höre ich
aus dem Brustkorb eines Kirchenturms
eine Glocke läutend wie ein Herz
und in süßen Sagen
scheint mir,
dass Friedentropfen und nicht Blut
durch meine Adern fließen.

Du Hochwalds Traubeneiche,
warum besiegt mich so viel Friede
mit weichen Flügeln,
wenn ich in deinem Schatten liege
und lasse mich von dein Blatt liebkosen?

Oh, wer weiß schon? - Vielleicht
aus deinem Stamm wird man mir bald
den Sarg ausschnitzen,
und dann die Stille,
die ich zwischen den Brettern schmecken werde,
vermutlich spür‘ ich sie auch jetzt:
ich spüre wie dein Blatt sie in die Seele tropft -
und stumm
hör ich den Sarg in deinem Körper wachsend
mit jedem Augenblick der stirbt,
du Traubeneiche von dem Waldesrand.

Added by: Ioana D

Translator: Christian W. Schenk
Language: German


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