Elegie im Angesicht des Meeres - Ion Pillat

Hier stehe ich im Angesicht des Meeres,
des unberührten Himmels überm Wasser,
dass ohne Ende ist... Hier stirbt die Grenze.
Die Seele trägt ein Flügelpaar aus Schaum
über die Wogen, die das grüne Tosen
des Sturmes unterm Wolkendunkel künden,
das schwarzbleich droht. Ich steh im Meeresatem,
ein Pfahl aus Erde, trage an den Sohlen
die Ackerkrume, an der Stirn den Staub
der Felder und im Blut der Toten Sippe.
An altem Ufer, wo des Windhauchs Samen
beginnt zu sprießen in den Wasserfurchen
und Wolkenrausch und Flug der Vogelschwärme
im öffnen Winkel mit der Zeit, dem Traum.
Was nützt mir hier die Sichel und die Haue,
der Pflug, vom Ochsen, der sich müht, gezogen?
Was nützt mir hier der Hafer und das Korn?
Ich steh und schaue, der ans Ende kam
der Erde in mir selbst und ohne Erben,
der aus der Bitterkeit der Fluten mir
das Salz der Schmerzen läuterte. Ich steh
und denke, mit des Fußes Wurzel haftend
im schweren Erdreich, mit dem lockeren Laub
den Winden hingegeben. Sturmesmöwen
fliehen schreiend kreuz und quer. Ich steh als Felsen
im dumpfen Tosen der gepeitschten Brandung
und lausche stumm am allerletzten Ufer
des Todes Stimme und dem Ruf des Meeres.

Added by: Ioana D

Translator: CHRISTIAN W. SCHENK
Language: German


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