Die Bäume - Ion Pillat

Die Wolke trägt die Sehnsucht über Waldesräume,
graue Tage rauben Vögel mir und Träume.
Nur die trauten Bäume bleiben. Früchte nicht,
erdverkettet, trifft der bittere Fluch sich nicht,
der, was kriecht und fliegt und flieht und wandelt, treibt.
Euer Schatten misst den Lebensraum und bleibt.

Wurzelnd in der Erde, die seit je euch teuer,
wechselt nie das Lager, nie der Herdstatt Feuer.
Niemals wird für euch die böse Stunde schlagen,
wo die Wipfel nicht mehr nach der Wurzel fragen
euch, gleich mir, ins Ferne treibt ein fremder Wille.
Ihr, seit je vertraut dem Himmel und der Stille,
Immer neue kleine Vogelnester wiegend,
stolze Kronen, gleiches Höhenlicht erfliegend,
mit den Frühlingslüften flüsternd und vertraut
und im Morgengrauen gekost vom Vogellaut.

Tanzt von Zweig zu Zweig der lose Wind,
beugt ihr eure Wipfel, schmeichelt ihm gelind.
Schwarze Erde nährt euch und der warme Regen.
Dunkel rauscht das Laub. Doch tief im Stamm gelegen
schlummern schweigend Lebenskräfte, Wortgewalten,
die den Herrgott Wasser, Erde ließ gestalten...

An die Rinde lange dicht das Ohr gelegt,
hör ich, wie im Stamm das Herz des Bruders schlägt,
Maulbeerbaum. Die Trauerweide weint mit mir,
aus der Früh rot schwebt wie Traum der Pappel Zier,
schlank und glatt wuchs diese Buche mir im Innern,
und ich weiß kein Mädchen zarter zu erinnern,
als die Birke, die im Mond die Flechten senkt,
als die Weide, die das erste Früh rot fängt,
Erlen, die im Bach den Abendhimmel schauen,
Silberpappeln meiner Kindheit in den Auen,
die Kastanie, Nussbaum überm weißen Dach...
Heut, da alles fremd mir ward, träum ich euch nach.

Added by: Ioana D

Translator: CHRISTIAN W. SCHENK
Language: German


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