Selbstgespräch - Ion Minulescu

Ich rede mit mir selbst, wie mit einem Bruder
Verwundet vom gestrigen Kampf,
Und glauben immer nicht, dass ich falsch liege -
Dass Er und Ich dieselben Bruder sind,
Dieselbe Wunde schmerzt die beiden Knappen.

Die Rüstungen, die einst mit Rost besudelt waren
Heut‘ sehen sie heller aus als jemals,
Und das Schwert,
So oft im Kampf gekreuzt,
Ist voll
Des Blutes unwürdiger Opfer
Desselben ewigen Torquemada.

Ich rede mit mir selbst und sage mir:
- Wieso lügst du mich an
Seit soviel Jahre hintereinander da du der Größte bist
Von allen Bändigern barbarischen Kohorten,
Dass in deiner Geste die alten Altäre pochen,
Und die große Kathedrale, gebaut von deinen Eltern,
Mit all dem Melodrama von Gott und Weihten,
Kannst sie im Handumdrehen ändern,
Wenn du dich nicht so schämen würdest
Vor ihren weißen Bärten,
Und vor mir
Vor dir?

Ich rede mit mir selbst und ich sage mir:
- Seit vielen Jahren,
Seitdem du mich zum selben Unbekannten brachst,
Warum lügst du mich mit gleicher Warnung an,
Besudelst meinen Glauben mit gleichem Vorwand
Lächelnd -
Auf Lippen niedriger Höflinge gelesen?
Warum von der Harmonie der höchsten Lieder
Heute hört man nur noch einen großen Schrei
Von denen, die in Donnerschlag ertrinken
Weit weg, in wer weiß welchen Meerestiefen! ...
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ich fühle mich allein, fast ist mir bange
Mit mir nochmal zu sprächen
Und sage mir:
- Hör Bruder zu,
Verstecke deine Wunde,
Vergiss, dass du verletzt warst -
Du, der du so viele zerquetscht hast, ohne Aufstieg -
Es schüttelt dich die Schwere der blutigen Rüstung;
Und zu dem, der dich fragt, ob ich dein Bruder bin,
Antworte: "Nein."

Added by: Ioana D

Translator: CHRISTIAN W. SCHENK
Language: German


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