Isarlyk - Ion Barbu

Wo die Donau türkisch fließt,
tabakbepflanzter Ebene Glut,
mitten zwischen Bös und Gut
bis zum Himmel aufgestuft,
wunderbar ersprießt
weiß und aufrecht
in heißer Luft
Isarlyk!

Wie aus der Sonnenrippe gebrochen!
Geil, lieblich und ölig gesprochen,
wenn vom frommen Muezzin,
weich umschmeichelnd deinen Sinn,
flattert hoch dort ein Gebet
auf dem Turm Hut abends spät...

- Isarlyk, mein Herz, wird helle,
weißgetünchte Zitadelle,
eines Tags mit Kalk und Pest,
steinernes Gemüsenest.
Bleibe so der Wonnen Quelle!

Sei die Stadt, gefürchtet, prächtig,
Balkan- und halbinselträchtig...

Auf des Luftmeers Boden trocken,
drehst den Hals, in vierzehn Rocken
nur ein Wickel. Hab Erbarmen,
nicht mit Türken, mit uns Armen!
Trunken eines Weins, im Sinn:
Es lebe Hodscha Nasreddin!

Mit den Kannen auf dem Rücken
Esel aus der Stadt sich bücken,
Henkersknechte, Mädchen bieder,
Brezelbäcker, Krapfen Sieder,
staunen, was der Hodscha tut:

Röstet Lein an weißer Glut,
schachert, eine Koppel Hunde,
scharfen Knoblauch in der Runde,
tanzt und schlägt die Kessel blind,
Türkenweib im Mond verrinnt.

Große Pforten, tut euch auf!
Auf zwei Eseln ich verkauf
feinem Volk, was mir geblieben,
Staub, den ich vom Mond gerieben,
Flitter, Silbertand, durchtrieben,
Steine, wie das Wasserschwer,
Borten, Ringe und viel mehr,

Bundschuh' für den Pilgerlauf
- Isarlyk, komm, tu dich auf
Dir im Laub ein Knospen scheu,
dass ich höre, mich erfreu,
wenn asienwärts am Bosporus,
vielen Griechen zum Verdruss,
Kemal ohne Gnade waltet,
jeden Zehnten greift und spaltet,
und wenn wir, der Türken Flor,
unaufhörlich hoch im Chor
aus Isarlyk die Zunge strecken:
sollt verrecken, -recken!

Added by: Ioana D

Translator: CHRISTIAN W. SCHENK
Language: German


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