LIEBER FJODOR MICHAILOWITSCH* - Gellu Dorian

wen kümmert es noch heute das grüne Kornstück,
grün, wie ein Ei der haarigen Raupe
von dem Maulbeerblatt in das leere Glas gefallen
aus dem die Poesie nicht mal mit der Geburtszange herauskommen will,

legst deine Ellbogen auf den Tisch und beobachtest bis sich die Leere füllt
mit vielen haarigen Raupeneiern,
wirfst nicht das Glas weg in dem
tausend Augen schweben,
eines Tages wirst du alles aufgeben,
es wird dich nichts mehr kümmern, absolut nichts,
wirst nicht mal mehr Vergangenheit haben,
die Gegenwart wird nicht mehr so unerträglich sein
weil in Tausende und Abertausende von Stücken geschnitten
der Wind wird sie wegfegen, die Jagt in der
die Zukunft nur Vorvergangenheit sein kann,
und wie gut es ist, wenn es gewesen sein kann,
und von diesem Augenblick an
kein Haus,
kein Tisch,
kein Kissen unter deinem Kopf,
kein Hemd,
keine Haut,
nichts,
nichts,
weil das Blut in den Adern der Anderer ruhn wird
die erst dann entdecken
um eine Gegenwart zu haben
musst eine Vergangenheit gehabt haben
die ohne eine tunliche Zukunft wäre
nicht möglich gewesen,
die nicht so zufällig kommt
aus dem heiteren Himmel
und wenn sie niemanden hat zu dem sie nahen soll,
wieso sollte sie kommen,
sie geht zu einem Anderen
wo es schön und gut ist,

Ja, ich frage mich, wen interessiert noch
dieses Häufchen Wörtern
das zu verwandeln versucht
das Nichts in Poesie,
Ich frage mich so, ganz einfach,
nicht, dass ich eine Antwort von irgendeinem
der nicht mehr existiert erwarten würde,
weil jemand nicht einmal mehr existiert,
Alle die die mir antworten konnten
haben nur noch Vergangenheit,
überhaupt keine Gegenwart,
Zukunft nicht mal so viel,
und dann was nützt es dieses kleine grüne Korn
aus gefallen aus dem Maulbeerblatt
in dein Glas
aus dem du mit der Geburtszange ein nutzloses Wesen,
aber schön, so schön
dass es nicht mehr in der Lage ist die Welt zu retten, her-ausziehst,
die, von Zuhause weggegangen, von der Winde verweht,
kümmert sich nicht mehr um die Schönheit zu retten,

ja, Fjodor Michailowitsch,
alles ist Nutzlosigkeit,
alles ist so, wie der Prediger sagte:
und durch dein Glas, Trockenheit,
durch deinen Körper, Hitze,
dass das Unsichtbare noch unsichtbarer wird,
das Vergessene noch vergessener,
die Glücklichen noch glücklicher,
die Traurigen noch trauriger,
die Erniedrigten noch erniedrigter,
der Unterdrückten noch unterdrückter,
nur die kleinen grüne Körn wird zur Raupe
die jeder mit den Füßen zertreten kann,
und nicht du Vergangenheit,
nicht du Gegenwart,
nicht du Zukunft -

ja,
wer noch Augen hat soll auf ein paar Wörter schauen
die deine Hände vom Restehaufen
von rücksichtslosen Horden zurückgelassen sammelt,
und glaubt, dass gesammelt unter seinen Augen,
mit ihnen könnte die Welt retten...
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* Fjodor Michailowitsch Dostojewski auch Dostojewskij * 11. Novem-ber 1821 in Moskau; † 9.Februar 1881 in Sankt Peters-burg) gilt als einer der bedeutendsten russi-schen Schriftsteller.

Added by: Ioana D

Translator: CHRISTIAN W. SCHENK
Language: German


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