Befangenheit - Dimitrie Bolintineanu

Zum ersten male sprach ich ihr
Von Liebe und Verlangen;
Da neigte sie das Angesicht
Errötend und befangen.

Sie flüsterte: "Jetzt darf ich nichts,
Nichts mehr zu hoffen wagen." -
"Ich wollte nach fünf Jahren dir
Ein süßes Geheimnis sagen."

Sie frug: "Warum sagst du's nicht gleich,
Wenn du mich glaubst zu lieben?
Du weißt doch, unsre Tage sind
Auf Lilienduft geschrieben."

Ich sagte drauf: "Ich habe dich
Geliebt seit langen Tagen;
Doch hab' ich meine Liebe still
Im Herzen tief getragen."

Darauf erwiderte sie lächelnd:
"Du tätest recht daran;
Geheime Liebe ist das Schönste,
Was man hier finden kann."

Ich frug: "Glaubst du, dass wahre Liebe
Auf Erden kann vergehen?" -
"O liebe mich wie eine Schwester!"
Hört' ich sie hastig flehen.

Doch Lügen straften ihre Blicke
Das kaum gesprochene Wort,
Ob sie auch ihre Hand errötend
Von meiner Brust zog fort.

Als ich sie enger dann umarmt,
Hob sie verschämt die Lider;
Doch als ich ihre Stirn geküsst,
Da senkte sie sie wieder.

Und flüsterte: "O, liebst du mich,
So geh, lass mich alleine,
Und schütz mich vor mir selbst, dass ich
Die Liebe nicht beweine!" -

Und ich gutmütiger Narr, ich ging!
Um erst zu spät zu sehen:
Dem Kühnen nur ist hold das Weib,
Den Feigen lässt es gehen.

Added by: Ioana D

Translator: Christian W. Schenk
Language: German


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