Zum letzten Mal - Carmen Sylva

Die Mutter kniet am stillen Bett,
Ganz still, beim toten Sohn;
Noch eben klang sein Abschiedswort
In weichem Flüsterton.

Es spielt ein friedliches Lächeln noch
Um seinen bleichen Mund,
Vorbei ist Schmerz und Pein – er schläft,
Ist ewig nun gesund.

Der Vater steht an Bettes Fuß
Und weint in grauen Bart;
Sie schweigen, nur die Mutter reibt
Dem Sohn die Hände zart.

Zwei lange Stunden streicht sie so
Die abgezehrte Hand
Und schaut zum letzten Mal sich satt
Am Antlitz unverwandt.

Doch endlich spricht der Mann zu ihr:
Was reibst du mit Gewalt
Ihm seine toten Hände noch?"
Sie spricht: Sie werden kalt!"

Added by: Ioana D

Translator: Christian W. Schenk
Language: German


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